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Filzanleitung


Es wird kein Zufall sein, dass das Filzen eine so uralte Technik ist. Man braucht nicht viel dafür. Im Grunde genommen reichen Wasser, Wolle und Walken...so versteht man schnell, warum der Filz angeblich auf der Arche Noah erfunden worden sein soll: Regen, Tierhaare und gelangweiltes Gestampfe auf dem Boden. So kühn diese Erklärung anmutet - wie soll Noah den Lärm anders überlebt haben als auf einem dicken Filzteppich, der den Lärm des Weltengetiers deutlich dämpfte?

Es gibt viele nützliche Hilfsmittel. Als Grundausstattung empfehle ich immer die folgenden Dinge.



Filzzubehör - eine vielseitige Grundausstattung

eine größere Plastikschüssel für das Seifenwasser
gute Seife (Kernseife funktioniert, Olivenseife pflegt Wolle und Hände schon beim filzen...)
eine Bonsai-Spritze (man kann auch Bügelwasserflaschen benutzen, diese darf man aber nicht ganz so heiß füllen und ich persönlich komme damit gar nicht gut zurecht - sie sind allerdings deutlich billiger)
eine Sushimatte ist recht hilfreich für viele Arbeiten
zwei Noppenfolien in mindestens 80 mal 80 cm Größe
ein Stück Fliegengittergewebe oder Gardine
1 Handtuch zum Walken und/oder Trocknen
1 Küchentuch für die Hände
1 Putzlappen, falls Wasser auf den Boden kommt
möglichst noch eine wasserfeste Tischdecke oder entsprechende Folien
Anfängern empfehle ich Merino-Kammzug, auch diesen gibt es in unterschiedlichen Preis- und Qualitätsstufen. Fangen Sie preiswert an. Merino filzt sehr gut, ist universell einsetzbar und es gibt diese Wolle in wunderschönen Farben.
immer nützlich ist ein wasserlöslicher Filzstift zum Anzeichnen von Formen oder Schnitten
eine richtig scharfe Schere ist Voraussetzung für gute Ergebnisse

So, und nun kann es schon losgehen.

Auslegen des Kammzugs


Sie schützen Ihren Tisch mit der Folie und legen darauf die Noppenfolie, die den Filzprozeß in vielfältiger Weise unterstützen kann.
Dann legen Sie die Wolle in dünnen Schichten dachziegelartig auf die gewünschte Fläche aus. Dachziegelartig bedeutet - die Stücke überlappen einander. Dafür zupfen Sie mit der ganzen Hand ganz vorsichtig soviel Wolle ab, wie sich freiwillig hergibt. Es hat keinen Sinn, die Wolle mit Gewalt abrupfen zu wollen. Erstens funktioniert das nur sehr bedingt und zweitens gibt es keine schönen Ergebnisse. Man kann den Kammzug nur abziehen, wenn die Hände dafür weit genug auseinander gehalten werden. Greift man zu eng, erwischt man die gleichen langen Wollsträhnen mit beiden Händen und versucht vergebens, die Haare in der Mitte durchzureißen. Hierbei merkt man dann, wie stabil Wolle ist!

Ist die erste Schicht Wolle ausgelegt, wird die zweite Schicht um 90 Grad versetzt darübergelegt. Viele dünne Schichten sind besser als wenige dicke Schichten. Es ist wie beim Sperrholz: viele versetzte dünne Lagen ergeben ein sehr stabiles Ganzes.
Auf diese Weise wird die ganze benötigte Wolle ausgelegt.

Reibetechnik

Nun wird die Wolle mit Seifenlauge besprenkelt. Wieviel Seife in die Lauge gehört, hängt vom Härtegrad des Wassers ab. In Düsseldorf braucht man ehr etwas mehr. 1 EL Olivenseifeflocken auf 1 Liter Wasser ist ein guter Richtwert. Es ist besser, nicht gleich zuviel Wasser auf die Wolle zu geben. Nachnehmen kann man immer noch. Dann das Fliegengitter darauf, damit die Wolle sich nicht verschiebt (alternativ kann man auch dünne Müllbeutelfolien nehmen) und nun vorsichtig (!) die befeuchtete Wolle andrücken. Danach wird in ganz vorsichtigen kleinen Kreisbewegungen über die Wolle gerieben, bis sie sich allmählich verfestigt. Später darf man dann auch sehr kräftig reiben. Und zu guter Letzt dürfen Sie sich nach Herzenslust austoben!



Walken der Wolle

Es gibt viele Wege die Wolle zum Filz zu machen. Keiner davon ist richtig oder falsch. Finden Sie Ihren Favouriten. Wenn die Wolle schon recht fest gerieben ist und man nichts mehr abzupfen könnte, beginnen wir mit dem Walken. Dazu können Sie ein Ikea-Bambusrollo oder ein Frotteehandtuch nehmen. Sie können auch einfach die beliebte Wurf- und Würgtechnik einsetzen und die Wolle nach Herzenslust mit den Händen kneten!
Alternativ legen Sie das Werkstück entweder auf die genannten Dinge oder auf die Noppenfolie und rollen es ein. Befestigen Sie die Rolle mit Gummibändern und dann geht es los. Wenn Ihnen jemand hilft, können Sie die Rolle spielerisch von einer Tischseite zur nächsten schubsen und zurück. Sind sie alleine, nehmen Sie eine rückenschonende Stellung ein und bewegen Sie die Rolle mit den Unterarmen hin und her. Mit der Zeit werden Sie immer fester. Schauen Sie gelegentlich nach, wie weit der Filz schon geschrumpft ist und legen Sie das Werkstück in einer anderen Richtung in die Rolle, damit die Schrumpfung gleichmäßig vonstatten geht.
Alles klar? Wenn Sie nun lang genug gewalkt haben wird die ursprünglich ausgelegte Fläche um 30 bis 50 % schrumpfen und dabei zum Filz. Dünne Flächen schrumpfen schneller als dicker ausgelegte. Auch die Wahl der Wolle spielt eine Rolle dabei.
Bevor Sie loslegen, sollten Sie also besser eine Probe machen ähnlich wie die Maschenprobe beim Stricken!
Und nun viel Spaß!